Of Thoughts and Swords

A blog about Science, Philosophy, Wargaming, Literature and other things, in three or more languages.

Still sick, but here is the next part, even though still in German

Tag 2

0600 imperiale Standardzeit, 0330 lokale Zeit.

Die blinkende Einblendung auf ihrer Retina weckte Hǎiān aus ihrem Schlummer. Ihr Kiefer tat immer noch weh. Als sie sich aus dem Bett drehen wollte stieß sie auf den Widerstand eines Körpers. Bevor sie auffuhr erinnerte sie sich an gestern Abend, dann trat sie ihn aus dem Bett. Einem dumpfen Klatschen folgte ein lautes Stöhnen.

Hör auf zu heulen. Zieh dich an und geh.“

Ihr Ton duldete keinen Widerspruch. Er rappelte sich auf und setzte zu einem Protest an, den sie mit einem Tritt gegen seine Brust unterdrückte.

Raus, hab ich gesagt.“

Er fixierte sie finster und mit seiner muskulösen Statur sah dies nicht unbedrohlich aus, aber dann nickte er und kramte seine Sachen vom Boden.

Noch bevor er aus der Tür war, machte sie sich auf den Weg ins Badezimmer. Sie spülte ihren Mund aus und massierte ihren Kiefer, die Schmerzen von gestern waren zwar noch da, jedoch nur noch ein Hauch ihrer selbst. Sie fühlte sich seltsam. Einen der Bergarbeiter ins Bett zu zerren war genau das was Kamizuna nach einem Tag wie gestern getan hätte, also hatte sie es getan. Der Sex hatte gutgetan, dennoch fühlte sie sich etwas entrückt. Ein Leben in Tarnung verlangte eben seine Opfer.

Jetzt nachdem er weg war, Viboul Soun war sein Name, wie Hǎiān sich erinnerte, konnte sie ihren morgendlichen Übung nachgehen und sich waschen. Nicht das sie befürchtete er könnte irgendetwas kompromittierendes in ihrer Behausung finden wenn sie nicht hinsah, all diese Dinge waren sicher woanders gelagert, aber sie wollte ihm auch keine Anhaltspunkte irgendeiner Art geben.

Das Training tat gut, ebenso wie ihre routinierte Datenüberprüfung unter der Dusche. Vielleicht lag es an ihrem kurzen Schlaf, dass sie sich heute viel frischer fühlte als gestern. Vielleicht waren das aber auch nur die Nachwirkungen der Endorphine.

Auch die heutigen Nachrichten waren zum großen Teil von keinem Belang, nur zwei Meldungen waren ihr von Interesse.

Die erste war ein Fahndungsaufruf nach einem Jīng Sù Lì auf Dawn. Das war einer seiner ihr bekannten Decknamen, dies erforderte eine sofortige Reaktion. Mit einigen kurzen Nachrichten informierte sie ihre Kontakte vor Ort. Mehr konnte sie von hier aus nicht tun.

Die zweite Nachricht berichtete von einer Massenfestnahme eines haqqislamistischen Schmugglerrings im Solarsystem durch eine Kranichagentin namens Héng. Sehr gut.

Wenig später war sie auf dem Weg sich ein Frühstück zu besorgen, sie hatte noch fast eine Stunde bevor sie in der Wachzentrale erscheinen musste, und entspannte sich bei einer ausgiebigen Mahlzeit. Der kommerzielle Bereich war ruhiger als gestern, nach ihrer Erfahrung würde sich der Schock von gestern noch bis morgen anhalten. Danach würde alles zur gewohnten Routine zurückfinden, es sei denn der Fasan hatte anderes im Sinn. Hǎiān lauschte in mehrere Gespräche hinein und hörte den Effekt den seine Anwesenheit auf die Leute hatte. Jeder war vorsichtiger mit dem was er sagte.

Auch sie wurde heute Morgen nicht mit unangenehmen Kontaktanfragen belästigt, offenbar hatte sich ihre Beteiligung an der Aktion rumgesprochen.

Hǎiān fand dies beinahe Schade.

Pünktlich um 0500 betrat sie die Wachzentrale, Kamizuna war viel aber nicht pflichtvergessen. Das schwergepanzerte Schott öffnete sich ihr bereitwillig als sie den Bunkerkomplex betrat. Hier draußen im Nirgendwo fungierte die Zentrale auch als Notfallrettungskapsel, zudem musste ein potentieller Aufstand in Betracht gezogen werden. Der Innenraum unterschied sich nicht sehr von denen der anderen Wachzentralen die sie in ihrem Leben gesehen hatte. Militärisch klare Linien bestimmten das Bild, nur ergänzt durch emsige Polizisten. Ihr Comlog wies ihr den Weg zu Chángs Büro, welches sich als ein leergeräumter Lagerraum entpuppte. Warum er nicht das Büro des Stationsvorstehers beansprucht hatte wunderte sie.

Er sah nicht auf als sie sich vor seinem improvisierten Schreibtisch postierte.

Vergessen sie nicht was?“

Sein Tonfall war gleichgültig, enthielt aber einen Hauch von Schärfe. Hǎiān entschied, dass sie es weit genug getrieben hatte und salutierte zackig. Das lies ihn aufblicken.

Jūnshì Kamizuna Hiroko meldet sich wie beordert, Zhǎngguān.“

Pünktlich aber aufmüpfig, ganz wie ihre Akte vermuten lässt.“

Mit seiner Linken wies er auf eine Kiste die seitlich zwischen den einzigen beiden Stühlen stand die sich, neben seinem, im Raum befanden. Sie nickte und ging herüber. Die Kiste öffnete sich bei ihrer Berührung und ein wenig Luft entwich als der Deckel sich herunter schob. Darin lag fein gestapelt die Rüstung eines Bào. Mit einem Seitenblick stellte sie fest ob er in ihre Richtung sah, aber dem war nicht so. Seine Körperhaltung verriet intensives studieren der Comlog Projektionen vor seinem Helm. Warum sollte er auch hinsehen, wenn er wollte könnte er ihr befehlen sich nackt auszuziehen und Pirouetten zu drehen, ohne Widerworte erwarten zu müssen. Sie begann sich zu entkleiden.

Ihre nicht sonderlich ansehnliche Garderobe landete auf dem rechten Stuhl, der Boden war kalt und unnachgiebig, genau so wie er sein sollte. Als erstes schlüpfte sie in den schwarzen Ganzkörperanzug, er umfasste ihren Körper bis hin zu ihrem Kehlkopf und bildete die Grundlage der chemischen Isolierung der Bào Uniform. Die wattierte Hose folgte und wurde mit Gummisocken fest über dem Anzug arretiert. Als sie die Unterjacke anzog richtete er wieder das Wort an sie.

Sie haben eine ansehnliche Karriere hinter sich, wie ich feststellen durfte.“

Hǎiān grunzte lediglich zur Erwiderung als sie sich die feinen Handschuhe überzog, welche die Jackenärmel verschlossen.

Vier Jahre bei den Bannertruppen vor dem Antrag auf Versetzung in die Himmlische Garde, auf Anraten ihres kommandierenden Offiziers. Drei weitere Jahre in der Garde brachten siebzehn Vermerke bezüglich unredlichen Verhaltens.“

Sie hielt inne als sie die Stiefel aus der Kiste ziehen wollte und legte ihren Kopf schief.

Zusätzlich zu den 23 aus der Zeit bei den Bannertruppen.“

Ein Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht, sie stellte sicher, dass er es sehen konnte. Sie setzte sich um die Stiefel anzuziehen. Er machte eine kurze Pause.

Danach Versetzung in die juristische Wacheinheit, wegen Tendenz zu übermäßiger Gewaltanwendung. Die letzten sieben Jahre brachten viele Belobigungen aber auch 89 weitere Vermerke bezüglich unredlichen Verhaltens.“

Er machte eine Pause an dieser Stelle, Hǎiān zeigte sich unbeeindruckt und schnallte die Beinschienen an ihren Platz bevor sie zu den Holstern für Pistole und Messer griff. Er hob den Kopf in ihre Richtung.

Welche aber alle aufgrund ihres Status als Bào fallengelassen wurden.“

Ein weiteres Grinsen zeigte sich auf ihren Lippen.

Aufgrund hervorragender Leistungen im Dienste des Kaisers und dem Volke von Yù Jīng, wurde ihnen bereits die Aussicht auf den Ruhestand angetragen. Ein Angebot welches sie ablehnten.“

Sie stand wieder auf und platzierte die Schleppe mit dem Zeichen der Bào zwischen den Gurten der Holster an ihren beiden Hüften. So lästig dieser auch war im Kampf fungierte er doch als Abzeichen des Schreckens bei vielen Leuten.

Ihre letzen Aktivitäten beinhalten Enterkampf sowohl gegen befreundete Fraktionen im Svalarheima System und Human´s Edge System als auch gegen Außerirdische im Paradiso System.“

Sie legte den Halsschutz an, welcher mit dem Helm schließen würde und griff zur Panzerweste als er aufstand und auf sie zukam.

Ihr letzter Einsatz war gegen Rebellen auf Yán Qī, wo sie sich eine weitere Belobigung durch ihre Vorgesetze verdienten.“

Sie hielt kurz inne als Eindrücke dieses Höllenlochs vor ihren Augen aufblitzten. Scharf ausatmend schloss sie die Schnallen der Weste und hob die Armschienen aus der Box, bevor sie sich ihm wieder zudrehte. Ihr Gesicht war ausdruckslos wie sein Helm.

Was denken sie, was sie für mich sind Jūnshì Kamizuna?“

Sie zuckte mit den Schultern während sie die Schienen befestigte.

Er legte den Kopf leicht schief. Sie fühlte wie er sie musterte. Eine Sekunde verstrich.

Sie sind ein verdammter Glücksfall für mich.“

Sie zuckte erneut mit den Schultern.

Machen sie aber nicht den Fehler daraus Privilegien abzuleiten. Ich denke wir verstehen uns.“

Shìde.“

Mit ruhiger Gelassenheit nahm sie den Helm aus der Kiste, ordnete ihr Haar und setzte ihn auf. Mit einem Zischen griffen die Halterungen in den Halsschutz und versiegelten den Helm. Der Übergang zu gefilterter Luft bereitete ihr nach so vielen Jahren in Rüstungen keine Schwierigkeiten mehr. Die Bildsysteme über den Augengläsern flammten sofort auf und verlinkten sich mit ihrem Comlog, der sicher unter ihrem rechten Handschuh ruhte. Rasch schaltete sie zwischen den verschiedenen Sichtfrequenzen einher. Sie vertraute dem automatischen Prüfsystem aber es war doch beruhigender es selbst zu sehen.

Einen kurzen Trip durch das Licht und Wellenspektrum später, die Feinheiten der erweiterten Wahrnehmung konnte sie auch später noch auskosten, blickte sie ihn an.

Er hielt ihr eine Pistole entgegen, überrascht nahm sie sie.

Es war eine Yòngǎn Tìdāo -05, Kamizunas Lieblingspistole, sie nahm sie und steckte sie ohne Umschweife ins Holster. Ihr Comlog las den Zustand des Magazins, es war voll und die Waffe gut gewartet. Sie würde dies später persönlich prüfen, aber nicht vor dem Fasan.

Sind sie bereit dem Kaiser zu dienen?“

Jederzeit.“

Gut, dann kommen sie mit.“

Ohne weitere Worte wandte er sich zur Tür, ob dieser Blöße etwas verwundert folgte sie ihm. Ihr Weg führte in eine der Verhörzellen der Zentrale, Hǎiān hatte genügend von innen gesehen um dies zu erkennen. Währenddessen unterrichtete Cháng sie über ihre Aufgabe.

Sie erinnern sich sicher an Yong Kyung Ree, den sie gestern zu ergreifen halfen?“

Sicherlich.“

Nun er erholt sich noch von den gestrigen Schusswunden und wird erst morgen für eine Befragung zur Verfügung stehen. Da wir aber an seine Partner wollen müssen wir uns mit den anderen Gefangenen begnügen. Die Zeit ist knapp und die Mittel der Polizei begrenzt, daher werden wir den Hauptteil der Arbeit vorerst alleine erledigen.“

Erwarten wir Unterstützung?“

Durchaus, allerdings erst in zwei Tagen.“

Er unterbrach das Gespräch als er vor einer gepanzerten Tür anhielt. Er wandte sich ihr zu.

Zunächst geben wir dem Gefangenen eine Chance freiwillig zu reden.“

Er lies die Aussage so stehen, nachdem sie mit einem kurzen Nicken ihr Verständnis signalisiert hatte.

Die Tür öffnete sich und beide traten in die kleine Verhörzelle. Es gab einen kleinen Tisch und zwei Hocker, auf einem der beiden sah Hǎiān ein bekanntes Gesicht es war der Mann dem sie gestern das Messer in die Schulter gerammt hatte. In ihrer Rüstung erkannte er sie nicht. Er sprang aber auf als er den Fasanen erblickte.

Mit ruhiger Stimme stellte dieser sich in den Raum. Hǎiān bezog hinter ihm Stellung vor der Tür.

Herr Zhu, sie haben nun die Gelegenheit freiwillig mit uns zu kooperieren…“

Er konnte seinen Satz nicht beenden weil der Mann mit dem Hocker in der Hand auf ihn zugesprungen kam. Mit scheinbarer Mühelosigkeit machte Cháng einen Schritt zur Seite und Hǎiān rammte dem überstolperndem Mann ihr Knie in den Magen. Er ging zu Boden. Der Fasan sah sie an.

Nun gut. Ich werde mich dann seinem Kollegen in der Nachbarzelle widmen. Ich denke sie haben hier alles im Griff.“

Er wartete ihre Antwort nicht ab und verließ den Raum. Mit gemessenen Schritten ging Hǎiān zu dem Tisch herüber während der Mann sich wieder aufrichtete. Mit einem zischenden Geräusch nahm sie den Helm ab.

Zhus Augen weiteten sich als er sie erkannte. Er schien verwirrt. Sie legte den Helm auf dem Tisch und spannte ihre Finger knackend zu Fäusten. Als sie seinem Blick zu ihrem Helm folgte, schlich sich ein Grinsen auf ihr Gesicht.

Ich schmecke gern das Blut von Abschaum, wenn ich die Wahrheit aus ihnen prügle.“

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This entry was posted on January 25, 2015 by in Uncategorized.
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